Von Fort Myers aus starteten wir
die ca. 190 km lange Fahrt zum Clearwater Beach. Eine vergleichsweise zwar
lange Fahrt, aber es lohnt sich! Der annähernd perfekte Strand mit dem weißen
Sand gehört zu den „schönsten Küstenorten Floridas“. So stimmten die Leser von
USA Today 2013. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und es stimmt auch
fast. Der Sand ist einfach genial, wie Puderzucker. Super weich und weiß und
ohne viele Muscheln, die Tim verlocken könnten. Auch wenn es durch den Spring
Break nicht gerade leer war, fanden wir dennoch neben einer Düne einen
gemütlichen Platz. Leider war das versprochene kristallklare Wasser nur in
unseren Trinkflaschen zu finden und nicht im Meer. Die Strömung am Golf von
Mexico ist leider immer noch durch die Schlechtwetterfront beeinflusst und das
Wasser war entsprechend trüb und auch recht frisch. Dennoch zog es uns auch den
nächsten Tag an diesen schönen langen und breiten, mit Palmen gesäumten Strand.
Für Tim war es das Paradies, ewig krabbeln, ohne dass jemand schreit: „Nein,
Tim, nicht in den Mund!!“ :D. Inzwischen hat er aber auch verstanden, dass es
besser ist nicht alles in den Mund zu schaufeln, was er findet. Oft genug
mussten Mama und Papa schon Papier, Muscheln, Steine und diverse Blätter und
Algen wieder mühevoll herausfischen, gar nicht so einfach, wenn das Kind
standhaft versucht, seinen „Fang“ nicht wieder herzugeben und der kleine Mund
sich einfach nicht mehr öffnen will.
Am nächsten Tag fuhren wir zum
vorletzten Hotel unserer langen Reise. In Fort Myers wollten wir noch einmal
für 5 weitere Nächte bleiben. Auf dem Weg dahin wollten wir noch einen halben
Tag am Turtle Beach verbringen - dort gibt es Schildkröten, die nachts an den
Strand kommen, um ihre Eier für die nächste Generation zu legen. Leider beginnt
dieses Schauspiel erst im Mai und endet im Oktober. Dafür gab es aber genug
anderes zu sehen. Der (wieder einmal) starke Wind lockte viele Kitesurfer an. Der
erste von ihnen hatte es am schwersten, denn er konnte seinen Schirm nicht ohne
fremde Hilfe starten. Johannes wurde kurzerhand auserkoren, ihn hier tatkräftig
zu unterstützen. Gar nicht so einfach, so einen Schirm allein unter Kontrolle
zu halten, bis man dann im Wasser ist. Einmal dort angekommen, kamen die
Kitesurfer an diesem Tag voll auf ihre Kosten – und die Zuschauer am Strand
auch. Das wollen wir auf jeden Fall auch mal lernen. Aber nicht mehr heute…
Ein Highlight waren die vielen
grünen Papageien, die sich hier am Strand und den angrenzenden Bäumen wilde und
laute Gefechte mit den großen Krähen und den Möwen lieferten. Das ist nochmal
ein ganz anderes tropisches Flair, wenn plötzlich eine grüne Schar kreischender
Papageien über den Strand saust :D.
In Fort Myers besuchten wir u.a.
wieder den tollen Strand (Fort Myers Beach) mit dem schönen Puderzuckersand,
den wir bereits kannten. Diesen fast mehlartigen Sand werden wir wahrscheinlich
noch wochenlang überall wiederfinden. Die Springbreak-Studentenansammlungen
waren zwar immer noch sehr zahlreich, aber insgesamt war es trotzdem
entspannter und auch das Wetter hatte sich wieder etwas beruhigt. Der Wind, der
jetzt noch wehte, war genau richtig, damit es nicht zu heiß wurde. Tim übte
sich im Klettern auf Strandliegen und (ganz!) oben angekommen freute er sich
wie wild über die vielen belustigten Zuschauer, die sich unter anderem über die
„Begleitgeräusche“ kaputt lachten, die Tim seit Beginn der Aktion von sich gab
:D. Außerdem kann er nun schon sehr sicher an einer Hand gehen und hat schon
mehrfach freie Schritte gewagt, einmal sogar schon mit anschließendem
Stehenbleiben. Das eine Zähnchen schaut beim Lachen schon deutlich heraus und
er lernt jeden Tag etwas Neues.
Ein weiteres Highlight war ein
besonderer Strand, den wir in einem unserer zahlreichen Reiseführer entdeckt
hatten. In Venice, einem Ort ca. 1,5 h nördlich von Fort Myers, benannt nach
der schönen Stadt in Italien, werden seit Jahrhunderten fossile Haifischzähne
und Knochen angespült, die man am Strand sammeln kann. Das wollten wir auch
versuchen, der Reiseführer empfahl uns, es am Caspersen Beach zu versuchen, und
tatsächlich war bereits auf dem Schild ein großer Haifischzahn abgebildet –
hier waren wir also richtig. Was uns auch als erstes ins Auge stach, waren die
zahlreichen Leute, die mit Keschern, Netzen, Schaufeln und allerlei Siebgeräten
in der seichten Brandung standen und emsig die angespülten Muscheln und Steine
durchsuchten. Dabei war es völlig egal, ob Kind, ob Mann oder Frau oder
weißhaariger Opi – alle Altersklassen waren hier vertreten. Und jeder freut
sich hier wie ein Schneekönig über jeden Zahn, den ein armer Hai verloren hat.
Tatsächlich macht diese Beschäftigung süchtig, immer abwechselnd war einer
zuständig für Tim und einer für die Zahnsuche und nachdem wir jeder unsere
ersten größeren Exemplare an Land gezogen hatten (bis 1 Inch - 2,5 cm lang) mussten wir uns regelrecht zwingen,
aufzuhören. Es fühlte sich an, wie im Goldrausch :D. Tim wühlte natürlich auch
fleißig mit. Als wir abends unsere Beute auf dem Bett ausbreiteten, hatten wir
schon eine beachtliche Menge zum Teil sehr gruselig anmutender Zähne zusammen,
fast 30 Stück. Ein weiterer Tag an diesem Strand zwei Tage später (wir mussten
einfach nochmal dahin) brachte uns insgesamt fast 150 mehr oder weniger gut
erhaltene Haifischhauer ein. Jetzt können wir Tim ein Gebiss bauen, bis seine
Zähne endlich alle da sind :D :D. Leider war kein Zahn von einem Megalodon
dabei, dem urzeitlichen, inzwischen ausgestorbenen Riesenhai (bis 15 m lang),
der einst hier durch die Meere streifte. Für 400 USD hätten wir uns einen
solchen Megazahn (ca. 5-6 cm) hier kaufen können… Es werden hier so viele
fossile Haizähne angespült, dass sogar mehrere davon als „Schmuck“ auf dem
Parkplatz mit einbetoniert wurden – und hier sind auch größere Stücke dabei.
Leider gibt es immer dumme Leute, die versuchen, diese aus dem Beton zu pulen –
statt selbst auf die Suche zu gehen.
Am letzten Tag hier fuhren wir in die größte subtropische
Wildnis der USA, die Everglades, dem Fluss aus Gras. Von Everglades City aus,
einem 300-Seelen-Ort im westlichen Teil des Nationalparks, fuhren wir mit dem
Boot durch die Ten Thousand Islands, ein dichtes Mangrovendickicht, das von
zahlreichen Wasserläufen durchzogen ist. Die geführte Tour ging 1,5 h und wir
sahen Seeadler mit Ihren Jungen im Nest, Pelikane, Reiher, Schildkröten,
allerlei andere Vogelarten und, unser absolutes Highlight, Delphine!! Der
Kapitän sorgte mit verschiedenen Manövern dafür, dass die neugierigen Tiere
schließlich eine ganze Weile dem Boot folgten, um in den Wellen ihre
Sprungkünste zu zeigen. Es ist erstaunlich, wie sich wirklich alle an Board in
kleine begeistert schreiende Kinder verwandeln, wenn die Delphine ihre
Kunststückchen zeigen. Das erklärt den Erfolg von Seaworld und Co. Allerdings
ist dieses Schauspiel in freier Natur wesentlich schöner, als es bei
dressierten Tieren in viel zu kleinen Becken je sein könnte. Eines der seltenen
Salzwasserkrokodile sahen wir leider nicht, auch keine Manatis und den seltenen
Florida Puma bekommt hier wohl kaum jemand zu Gesicht, denn er ist fast
ausgestorben. Tim bekam zur Erinnerung einen kleinen Alligator, den er dann
nicht mehr losließ und nach einem Eis suchten wir uns eine der zahlreichen
Anlegestationen, die Airboat-Touren anbieten, in der Hoffnung, vielleicht noch
etwas mehr zu sehen. Ja, das wurde ein Erlebnis, nur etwas anders als
geplant…Die Tour startete recht ruhig, wegen der vielen Manatis (Seekühe)
dürfen die extrem lauten und schnellen Boote mit dem Riesenpropeller in vielen
Gebieten hier nur langsam fahren. Nachdem wir die Manatiplätze hinter uns
gelassen hatten, stieg der Fahrer ordentlich auf`s Gas und wir sausten in
wilden Manövern durch die Mangroven. Woher die Fahrer wissen, ob ihnen hinter
der nächsten Kurve kein anderes Boot entgegen kommt, ist nicht so ganz klar.
Tim hatten wir bei dieser Tour lieber gleich in die Manduca gepackt, nachdem er
auf dem ersten Boot abwechselnd an der Reeling geklammert und begeistert auf`s
Wasser geschaut und dann an der Hand wieder seine Runden um die Sitzbänke
gedreht hatte, immer auf der Suche nach neuen spannenden Dingen, die seine
Aufmerksamkeit fesselten. Zum Glück war er nach kurzer Zeit im Airboat
eingeschlafen, mit Kopfhörern auf den Öhrchen, und er zappelte nur immer kurz,
wenn eines der Manöver das Boot und die Besatzung wieder ordentlich
durchrüttelten. So bekam er auch nicht mit, dass der Himmel inzwischen immer
dunkler geworden war und es langsam anfing zu nieseln… dann zu donnern…. zu
blitzen… und schließlich brach ein solch taifunartiger Regen über uns herein,
dass die eilig herbeigezauberten, leuchtend orangefarbenen Regenmäntel des
Kapitäns auch nichts mehr retten konnten. Der Regen lief überall hin, innerhalb
von Sekunden waren wir nass bis auf die Knochen, die Kameras konnten wir gerade
noch retten und viel zu sehen gab es nun natürlich sowieso nicht mehr. Die
Gopro konnte nur noch Regen über Regen und die schnell vorbeisausenden Mangroven
filmen. Ein kleines Highlight der Tour, neben des tollen Wetters, waren dann
noch fünf Waschbären, die wir in dem Dickicht besuchten und die der
Bootskapitän mit Wasser aus Flaschen und irgendwelchen Knusperflocken
versorgte. Angeblich hätten die Tierchen sonst kein Süßwasser zur Verfügung –
fanden wir etwas seltsam und nicht glaubhaft. Danach musste die Tour
abgebrochen werden, da es wegen des Gewitters auf dem Fluss zu gefährlich wurde
– auf einem Boat mit Metallstange! War uns recht… Die Rückfahrt kam uns ewig
vor – vom Blitz wollten wir natürlich so kurz vor Urlaubsende nicht so gern
getroffen werden.


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