Donnerstag, 23. März 2017

Clearwater Beach, Turtle Beach, Fort Myers Beach & Venice Beach

Von Fort Myers aus starteten wir die ca. 190 km lange Fahrt zum Clearwater Beach. Eine vergleichsweise zwar lange Fahrt, aber es lohnt sich! Der annähernd perfekte Strand mit dem weißen Sand gehört zu den „schönsten Küstenorten Floridas“. So stimmten die Leser von USA Today 2013. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und es stimmt auch fast. Der Sand ist einfach genial, wie Puderzucker. Super weich und weiß und ohne viele Muscheln, die Tim verlocken könnten. Auch wenn es durch den Spring Break nicht gerade leer war, fanden wir dennoch neben einer Düne einen gemütlichen Platz. Leider war das versprochene kristallklare Wasser nur in unseren Trinkflaschen zu finden und nicht im Meer. Die Strömung am Golf von Mexico ist leider immer noch durch die Schlechtwetterfront beeinflusst und das Wasser war entsprechend trüb und auch recht frisch. Dennoch zog es uns auch den nächsten Tag an diesen schönen langen und breiten, mit Palmen gesäumten Strand. Für Tim war es das Paradies, ewig krabbeln, ohne dass jemand schreit: „Nein, Tim, nicht in den Mund!!“ :D. Inzwischen hat er aber auch verstanden, dass es besser ist nicht alles in den Mund zu schaufeln, was er findet. Oft genug mussten Mama und Papa schon Papier, Muscheln, Steine und diverse Blätter und Algen wieder mühevoll herausfischen, gar nicht so einfach, wenn das Kind standhaft versucht, seinen „Fang“ nicht wieder herzugeben und der kleine Mund sich einfach nicht mehr öffnen will.
Am nächsten Tag fuhren wir zum vorletzten Hotel unserer langen Reise. In Fort Myers wollten wir noch einmal für 5 weitere Nächte bleiben. Auf dem Weg dahin wollten wir noch einen halben Tag am Turtle Beach verbringen - dort gibt es Schildkröten, die nachts an den Strand kommen, um ihre Eier für die nächste Generation zu legen. Leider beginnt dieses Schauspiel erst im Mai und endet im Oktober. Dafür gab es aber genug anderes zu sehen. Der (wieder einmal) starke Wind lockte viele Kitesurfer an. Der erste von ihnen hatte es am schwersten, denn er konnte seinen Schirm nicht ohne fremde Hilfe starten. Johannes wurde kurzerhand auserkoren, ihn hier tatkräftig zu unterstützen. Gar nicht so einfach, so einen Schirm allein unter Kontrolle zu halten, bis man dann im Wasser ist. Einmal dort angekommen, kamen die Kitesurfer an diesem Tag voll auf ihre Kosten – und die Zuschauer am Strand auch. Das wollen wir auf jeden Fall auch mal lernen. Aber nicht mehr heute…
Ein Highlight waren die vielen grünen Papageien, die sich hier am Strand und den angrenzenden Bäumen wilde und laute Gefechte mit den großen Krähen und den Möwen lieferten. Das ist nochmal ein ganz anderes tropisches Flair, wenn plötzlich eine grüne Schar kreischender Papageien über den Strand saust :D.
In Fort Myers besuchten wir u.a. wieder den tollen Strand (Fort Myers Beach) mit dem schönen Puderzuckersand, den wir bereits kannten. Diesen fast mehlartigen Sand werden wir wahrscheinlich noch wochenlang überall wiederfinden. Die Springbreak-Studentenansammlungen waren zwar immer noch sehr zahlreich, aber insgesamt war es trotzdem entspannter und auch das Wetter hatte sich wieder etwas beruhigt. Der Wind, der jetzt noch wehte, war genau richtig, damit es nicht zu heiß wurde. Tim übte sich im Klettern auf Strandliegen und (ganz!) oben angekommen freute er sich wie wild über die vielen belustigten Zuschauer, die sich unter anderem über die „Begleitgeräusche“ kaputt lachten, die Tim seit Beginn der Aktion von sich gab :D. Außerdem kann er nun schon sehr sicher an einer Hand gehen und hat schon mehrfach freie Schritte gewagt, einmal sogar schon mit anschließendem Stehenbleiben. Das eine Zähnchen schaut beim Lachen schon deutlich heraus und er lernt jeden Tag etwas Neues.
Ein weiteres Highlight war ein besonderer Strand, den wir in einem unserer zahlreichen Reiseführer entdeckt hatten. In Venice, einem Ort ca. 1,5 h nördlich von Fort Myers, benannt nach der schönen Stadt in Italien, werden seit Jahrhunderten fossile Haifischzähne und Knochen angespült, die man am Strand sammeln kann. Das wollten wir auch versuchen, der Reiseführer empfahl uns, es am Caspersen Beach zu versuchen, und tatsächlich war bereits auf dem Schild ein großer Haifischzahn abgebildet – hier waren wir also richtig. Was uns auch als erstes ins Auge stach, waren die zahlreichen Leute, die mit Keschern, Netzen, Schaufeln und allerlei Siebgeräten in der seichten Brandung standen und emsig die angespülten Muscheln und Steine durchsuchten. Dabei war es völlig egal, ob Kind, ob Mann oder Frau oder weißhaariger Opi – alle Altersklassen waren hier vertreten. Und jeder freut sich hier wie ein Schneekönig über jeden Zahn, den ein armer Hai verloren hat. Tatsächlich macht diese Beschäftigung süchtig, immer abwechselnd war einer zuständig für Tim und einer für die Zahnsuche und nachdem wir jeder unsere ersten größeren Exemplare an Land gezogen hatten (bis 1 Inch -  2,5 cm lang) mussten wir uns regelrecht zwingen, aufzuhören. Es fühlte sich an, wie im Goldrausch :D. Tim wühlte natürlich auch fleißig mit. Als wir abends unsere Beute auf dem Bett ausbreiteten, hatten wir schon eine beachtliche Menge zum Teil sehr gruselig anmutender Zähne zusammen, fast 30 Stück. Ein weiterer Tag an diesem Strand zwei Tage später (wir mussten einfach nochmal dahin) brachte uns insgesamt fast 150 mehr oder weniger gut erhaltene Haifischhauer ein. Jetzt können wir Tim ein Gebiss bauen, bis seine Zähne endlich alle da sind :D :D. Leider war kein Zahn von einem Megalodon dabei, dem urzeitlichen, inzwischen ausgestorbenen Riesenhai (bis 15 m lang), der einst hier durch die Meere streifte. Für 400 USD hätten wir uns einen solchen Megazahn (ca. 5-6 cm) hier kaufen können… Es werden hier so viele fossile Haizähne angespült, dass sogar mehrere davon als „Schmuck“ auf dem Parkplatz mit einbetoniert wurden – und hier sind auch größere Stücke dabei. Leider gibt es immer dumme Leute, die versuchen, diese aus dem Beton zu pulen – statt selbst auf die Suche zu gehen.
Am letzten Tag hier fuhren wir in die größte subtropische Wildnis der USA, die Everglades, dem Fluss aus Gras. Von Everglades City aus, einem 300-Seelen-Ort im westlichen Teil des Nationalparks, fuhren wir mit dem Boot durch die Ten Thousand Islands, ein dichtes Mangrovendickicht, das von zahlreichen Wasserläufen durchzogen ist. Die geführte Tour ging 1,5 h und wir sahen Seeadler mit Ihren Jungen im Nest, Pelikane, Reiher, Schildkröten, allerlei andere Vogelarten und, unser absolutes Highlight, Delphine!! Der Kapitän sorgte mit verschiedenen Manövern dafür, dass die neugierigen Tiere schließlich eine ganze Weile dem Boot folgten, um in den Wellen ihre Sprungkünste zu zeigen. Es ist erstaunlich, wie sich wirklich alle an Board in kleine begeistert schreiende Kinder verwandeln, wenn die Delphine ihre Kunststückchen zeigen. Das erklärt den Erfolg von Seaworld und Co. Allerdings ist dieses Schauspiel in freier Natur wesentlich schöner, als es bei dressierten Tieren in viel zu kleinen Becken je sein könnte. Eines der seltenen Salzwasserkrokodile sahen wir leider nicht, auch keine Manatis und den seltenen Florida Puma bekommt hier wohl kaum jemand zu Gesicht, denn er ist fast ausgestorben. Tim bekam zur Erinnerung einen kleinen Alligator, den er dann nicht mehr losließ und nach einem Eis suchten wir uns eine der zahlreichen Anlegestationen, die Airboat-Touren anbieten, in der Hoffnung, vielleicht noch etwas mehr zu sehen. Ja, das wurde ein Erlebnis, nur etwas anders als geplant…Die Tour startete recht ruhig, wegen der vielen Manatis (Seekühe) dürfen die extrem lauten und schnellen Boote mit dem Riesenpropeller in vielen Gebieten hier nur langsam fahren. Nachdem wir die Manatiplätze hinter uns gelassen hatten, stieg der Fahrer ordentlich auf`s Gas und wir sausten in wilden Manövern durch die Mangroven. Woher die Fahrer wissen, ob ihnen hinter der nächsten Kurve kein anderes Boot entgegen kommt, ist nicht so ganz klar. Tim hatten wir bei dieser Tour lieber gleich in die Manduca gepackt, nachdem er auf dem ersten Boot abwechselnd an der Reeling geklammert und begeistert auf`s Wasser geschaut und dann an der Hand wieder seine Runden um die Sitzbänke gedreht hatte, immer auf der Suche nach neuen spannenden Dingen, die seine Aufmerksamkeit fesselten. Zum Glück war er nach kurzer Zeit im Airboat eingeschlafen, mit Kopfhörern auf den Öhrchen, und er zappelte nur immer kurz, wenn eines der Manöver das Boot und die Besatzung wieder ordentlich durchrüttelten. So bekam er auch nicht mit, dass der Himmel inzwischen immer dunkler geworden war und es langsam anfing zu nieseln… dann zu donnern…. zu blitzen… und schließlich brach ein solch taifunartiger Regen über uns herein, dass die eilig herbeigezauberten, leuchtend orangefarbenen Regenmäntel des Kapitäns auch nichts mehr retten konnten. Der Regen lief überall hin, innerhalb von Sekunden waren wir nass bis auf die Knochen, die Kameras konnten wir gerade noch retten und viel zu sehen gab es nun natürlich sowieso nicht mehr. Die Gopro konnte nur noch Regen über Regen und die schnell vorbeisausenden Mangroven filmen. Ein kleines Highlight der Tour, neben des tollen Wetters, waren dann noch fünf Waschbären, die wir in dem Dickicht besuchten und die der Bootskapitän mit Wasser aus Flaschen und irgendwelchen Knusperflocken versorgte. Angeblich hätten die Tierchen sonst kein Süßwasser zur Verfügung – fanden wir etwas seltsam und nicht glaubhaft. Danach musste die Tour abgebrochen werden, da es wegen des Gewitters auf dem Fluss zu gefährlich wurde – auf einem Boat mit Metallstange! War uns recht… Die Rückfahrt kam uns ewig vor – vom Blitz wollten wir natürlich so kurz vor Urlaubsende nicht so gern getroffen werden.



































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