In Fort Lauderdale angekommen
empfingen uns endlich wohlige Wärme und sonnige 28°. Unsere Reise durch den
Sunshine State begann wie unsere beiden Etappen vorher: mit einer großen
Diskussion in der Mietwagenfirma! Es ist kaum zu glauben, aber auch unseren
dritten Mietwagen in Folge sollten wir nur mit viel Geduld, konsequentem Verneinen
und viel viel Humor bekommen. Dieses Mal hieß es sogar, es wäre der Smart, den
wir gebucht hatten und er hätte eben in dieser Kategorie (Economie Class!) nichts
anderes da, wegen Spring Brake usw. und er würde uns ja gern helfen, aber er
könne nichts dafür, dass wir nur die niedrige Kategorie gebucht hätten! Alles
klar, in so einer Riesenfirma, wo dauernd neue Autos rein kommen, gibt`s nur
den Smart! Tja, und dann ging es plötzlich nach mindestens 20 min Diskussion doch,
er hätte da doch was gedeichselt, es sei gerade ein Wagen aus der Waschanlage
gekommen… Genau… (Das Autohaus war voll mit anderen Economie-Class-Wagen!).
Muss ja auch, schließlich versuchen sie ja so vielen Leuten wie möglich ein
Upgrade aufzuschwatzen, da müssten ja massenweise kleine Autos übrig sein…
Naja, es schien ihm dann selbst unangenehm zu sein. Wir konnten dann nur noch
drüber lachen.
Unsere erste Unterkunft hatten
wir in Fort Lauderdale und wir ließen es uns nicht nehmen, noch am Abend einen
kleinen Abstecher zum Strand zu machen. Es war so schön, nach so vielen Wochen,
die zum Teil auch sehr kalt waren, endlich einmal bis nachts in Flip Flops und
kurzen Sachen draußen sein zu können.
Am nächsten Tag fuhren wir (bzw.
krochen wir durch ewige Staus) nach Miami Beach und nach einer ewig langen
Parkplatzsuche ließen wir es uns dort am Strand der schönen Körper und großen
Egos (laut unserem Reiseführer :D) gut gehen. Tatsächlich gab es immer viel zu
entdecken und viele schöne Menschen anzuschauen (aber auch nicht so schöne). Manche
waren angetan wie Filmstars beim Dreh und die meisten schienen weniger wegen
des tollen Strandes oder des wirklich angenehm temperierten Atlantiks, sondern
vielmehr zur Darstellung ihrer selbst und für reihenweise Selfie-Shootings hier
zu sein. Einer lief sogar komplett im Anzug herum, Socken und Schuhe in der
Hand :D. Und da gab es die aufregendsten Bikinis zu bestaunen (die dürften
interessante Muster hinterlassen…). Manchen war dann auch egal, ob die typisch
amerikanische Durchschnittsfigur über alle Stricke und Bänder quoll oder nicht.
Lake Worth, das etwas weiter
nördlich von Fort Lauderdale liegt, war dann für die nächsten zwei Tage unser
nächstes Ziel. Wir genossen die Wärme und das Herumlungern am Strand und auch
Timmi liebt es, im Sand zu wühlen, allerlei Zeug einzusammeln und unsere
Handtücher komplett mit Muscheln, Sand und Steinchen zu füllen. Mit so einer
Wühlmaus kann man sich eigentlich das Strandtuch auch schenken – macht schon
nach 10 min keinen Unterschied mehr :D. Gegen Abend des zweiten Tages frischte
plötzlich der Wind ziemlich auf und innerhalb einer Stunde war es auf einmal
viel kühler. Wie wir in den Nachrichten gelesen hatten, war ein Blizzard über
New York und den Norden hereingebrochen mit Schnee und Minusgraden. Die
Ausläufer den Wetterumschwungs sollten auch hier in Florida zu spüren sein –
der Wetterbericht sagte für einige Gebiete zuerst Regen und dann trotz blauem
Himmerl Tageshöchsttemperaturen von nur 13° an (!), und das in Florida, wo in
der Regel das ganze Jahr über sommerliche Temperaturen herrschen und es
praktisch nie Frost und selten Regen gibt. Was soll man sagen… Wir sind es ja
nun schon gewohnt, auf unserer Reise öfter mal außergewöhnliche
Wetterbedingungen kennen lernen zu dürfen, von denen selbst die Einwohner
regelmäßig überrascht waren – trotzdem waren wir erschüttert, als in Orlando,
wo anfangs noch halbwegs warmes, wenn auch regnerisches Wetter herrschte,
plötzlich ein eiskalter Wind aufkam und über Nacht die Temperaturen extrem absackten.
Den Besuch im „Gatorland“ erlebten wir bei warmem Wetter und konnten so in Ruhe
die zahllosen Alligatoren und Krokodile bewundern, die sich hier tummeln. Auch
die vielseitige Vogelwelt Floridas ist hier gut vertreten. Man kann hier die
Tiere auch von oben mit einer Art Seilbahn erleben, wo man in einen Gurt
gehängt an einem Drahtseil über das Wasser und die Alligatoren saust. Mit Baby
leider nicht machbar :D.
Am nächsten Tag erlebten wir die
Alligatoren ganz nah und in freier Wildbahn im Wekiwa Springs State Park, was
viel noch aufregender und interessanter war. Wir liehen uns ein Kanu und
paddelten durch die Mangroven. Mehrere Schilder warnten vor Alligatoren, in
deren natürlichen Lebensraum wir uns nun befanden, sowie vor Schlangen und
anderem Getier. Laut Reiseführer können nur wenige Ort in Orlando mit der
Schönheit dieses Ortes konkurrieren und da müssen wir den Autoren Recht geben.
Es war ein unvergleichliches Erlebnis! Wir paddelten durch dschungelartigen
Wald - also Johannes paddelte und ich versuchte, das Kind zu bändigen, das sich
mit großer Begeisterung von einer Seite des Kanus zur anderen warf, um mit den
Händen im Wasser zu planschen, wir sahen große und kleinen Schildkröten, die
sich auf den Steinen sonnten und dann sahen wir endlich auch unseren ersten
Alligator!! Das war spannend – in einem kleinen Kanu zu sitzen mit einem
zappelnden Baby, das dauernd die Hände im Wasser hat und gegenüber frei lebende
Alligatoren! Wir sahen noch einen weiteren, größeren, und konnten bis zu 1,5 m
nah heran fahren, um ihn aus der Nähe zu betrachten. Er musterte uns eher
misstrauisch und wir wollten ihn auch nicht weiter stören(bloß nicht!)… Das
größte Tier dieser Art, das hier in diesem Fluss bisher gesichtet wurde, war ca.
3 m lang. Was uns nicht so ganz geheuer war, war die Badestelle, wo die Quelle
entspringt – ein tolles Naturwaldbad mitten zwischen den Mangroven mit
Temperaturen, die das ganze Jahr über bei ca. 23° liegen. Hier können jederzeit
Alligatoren auftauchen, da es keinerlei Begrenzung oder Absicherung gibt und
man sich hier beim Baden mit den Tieren ihren Lebensraum teilt. Mhm, Baden mit
Special Thrill…
Da in dieser Nacht der bereits
beschriebene Kälteeinbruch kam, der nur den Süden Floridas etwas verschonte,
beschlossen wir schweren Herzens, Daytona Beach und den Norden von der Liste zu
streichen und nochmal zurück in den Süden zu fahren. Die kalten Tage haben wir
nun wirklich über! Hier war es dann bei knapp 23° noch am wärmsten in ganz
Florida und wir waren froh, uns so entschieden zu haben, denn selbst hier war
der Wind noch ziemlich kalt, trotz strahlenden Sonnenscheins! Mit Windschutz
hatten wir dann aber doch wieder zwei wundervolle Strandtage und konnten dann gut
gelaunt die Küste wechseln – von Ost nach West an den Golf von Mexiko. Hier
sind wir nun seit gestern in einer tollen Unterkunft direkt mit Blick auf den
Sonnenuntergang über dem Wasser in Fort Myers und es ist noch immer recht
frisch. Aber im Laufe des Tages wird es sehr angenehm und so konnten wir gestern
den Fort Myers Beach (voll mit Studenten in Partylaune – Spring Brake) und heute
den Strand auf Sanibel und Captiva Island besuchen. Dank einer besonderen
Strömung werden hier die schönsten Seemuscheln der USA in allen Größen und
Formen angeschwemmt – 400 verschiedene Arten! Hier kann man überall teils monströsee
Muscheln finden oder auch kaufen (Werbung: „She Sells Sea Shells“ :D). Tim
spielt auch seit ein paar Tagen mit großer Begeisterung mit einer Vielzahl
riesiger Muscheln, die seine Eltern noch an der Ostküste für ihn
herangeschleppt haben und die nun bei jedem Strandbesuch mit im Gepäck sind.
Auf dem Rückweg über die Landbrücke, über die man die Inseln erreichen kann,
konnten wir noch einen der großen Pelikane beim Flug begleiten. Morgen geht`s
nach Clearwater Beach, und dann soll es endlich auch wieder heiß werden :D!!
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