In Bridgeport, auf einer Höhe von 2055 m, gibt es eigentlich
nichts oder bzw. fast nichts – ein paar Häuser, die aussehen, als stünden sie in
einem Wildwestfilm, eine schicke weiße Villa, wo der Sheriff zu finden ist,
eine Bar, eine Tankstelle, zwei Motels und mehrere geschlossene Mini-Shops, die
auf die Fischer im Sommer warten. Unser Motel lag sogar noch etwas abseits des „Ortes“
und nachdem wir erst vor einem komplett geschlossenen Motel standen und schon etwas
irritiert waren, fanden wir unsere Unterkunft ein paar Meter weiter doch. Richtig
urige Holzhütten mit Balkon (zu kalt dafür), geschnitzten Bären und Bildern
uralter Wildwestfilme an den Wänden – u.a. Kevin Costner in sehr jungen Jahren
:D. Nachdem wir in der einzigen geöffneten Bar hier wahrscheinlich die Hälfte
aller Bewohner angetroffen haben und hier zwei wirklich leckere Burger genießen
konnten, fuhren wir zum Mono Lake. Dieser See hat die Besonderheit, dass an
seinen Ufern und bis ins tiefere Wasser hinein große, seltsame Gebilde aus
Stein zu finden sind, die aussehen wie aus einem Fantasyfilm. Die ganze Gegend
hat etwas Surreales und die Formen sehen vor allem im Zwielicht sehr bizzar und
fremd aus. Rund um den See befindet sich geschütztes Gebiet und es sind
allerlei seltene Wasservögel hier heimisch. Größere Tiere haben wir bisher
nicht gesehen, von den Bären, die hier überall Thema sind, keine Spur.
Tim geht es seit gestern endlich wieder gut, das Fieber ist
weg und bisher scheint es auch so zu bleiben. Der Weg ins Tal, über einen Pass,
der über 2600 m hoch liegt, bot wieder abwechslungsreiche Landschaften und
einen abrupten Wechsel vom Schnee und Minusgraden zu Wüste und über 16 Grad
plus, und das innerhalb weniger Kilometer. Unsere derzeitige Unterkunft liegt
in Olancha, ca. 3 h weg von Bridgeport und es geht tatsächlich noch abgeschiedener
und einsamer! Der „Ort“ ist als solcher gar nicht erkennbar, es gibt eine
Tankstelle und drei Motels und ein paar Trailer, alle verteilt auf ein paar
hundert Meter am Highway entlang. Unser eigentliches „Motel“ haben wir
kurzentschlossen boykottiert, nachdem wir dort erstens für 3 h niemanden
angetroffen haben, uns dann zweitens zwei komische Hunde nicht so recht
willkommen heißen bzw. ins „Office“ lassen wollten, sich drittens in diesem
Office offenbar niemand dafür interessierte, dass wir draußen standen und
hupten und riefen (aber durch die Vorhänge lunsen konnten sie), viertens die
ganze Bretterbude mehr als eklig und runtergelumpert aussah und fünftens ein
Schild da hing, dass Eindringlinge ohne Weiteres erschossen werden (!) und ein
weiteres Schild vor Schlangen und Insekten auf dem Areal warnte! Klar gibt’s hier
Klapperschlangen und ein Haufen anderes Getier, aber im Motel möchte man die
Biester auch nicht haben. Brrrr…
Im jetzigen Motel verbringen wir auch nur eine Nacht, damit
wir morgen den Weg ins Death Valley nach Las Vegas antreten können. Wir hoffen,
das Wetter spielt weiterhin mit, die letzten Tage hatten wir strahlenden
Sonnenschein, aber Schnee. Hier sind es nun ca. 20°. Leider soll es nun genau
dann regnen, wenn wir da sind (vorher Sonne, nachher Sonne), immer genau die
zwei Tage, an denen wir an unseren diversen Zielen verweilen wollen. Hoffen
wir, dass sich der Bericht geirrt hat! Heute wollten wir (während der Wartezeit
wegen des geschlossenen Motels) eigentlich noch einen kleinen Abstecher zu den
Sequoia-Giant-Trees machen, aber es stellte sich heraus, dass der Sequoia
National Forest sich sehr gut zu verstecken weiß – wir konnten zumindest nichts
entdecken, das den Namen „Wald“ verdient hätte. Naja, vielleicht ein anderes
Mal… Auch der Mount Whitney war leider für uns nicht sichtbar, obwohl er mit
4421 m der zweithöchste Berg der USA ist und hier „gleich um die Ecke ist“. Dafür
konnten wir ein paar schöne Bilder u.a. vom Lake Isabella machen und mehrfach ca.
100 m über unsere Köpfe hinweg donnernde Kampfflugzeuge bzw. Düsenjets
beobachten, die durch die Täler flogen und dabei aussahen, als würden sie jeden
Moment direkt in die Berge krachen.
Für diese Nacht hoffen wir nun, dass sich weder Insekten
noch Klapperschlangen in unsere Bude verirren ;) und sind gespannt auf die
nächsten Tage.
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