Mittwoch, 15. Februar 2017

Bridgeport, Mono Lake, Olancha



In Bridgeport, auf einer Höhe von 2055 m, gibt es eigentlich nichts oder bzw. fast nichts – ein paar Häuser, die aussehen, als stünden sie in einem Wildwestfilm, eine schicke weiße Villa, wo der Sheriff zu finden ist, eine Bar, eine Tankstelle, zwei Motels und mehrere geschlossene Mini-Shops, die auf die Fischer im Sommer warten. Unser Motel lag sogar noch etwas abseits des „Ortes“ und nachdem wir erst vor einem komplett geschlossenen Motel standen und schon etwas irritiert waren, fanden wir unsere Unterkunft ein paar Meter weiter doch. Richtig urige Holzhütten mit Balkon (zu kalt dafür), geschnitzten Bären und Bildern uralter Wildwestfilme an den Wänden – u.a. Kevin Costner in sehr jungen Jahren :D. Nachdem wir in der einzigen geöffneten Bar hier wahrscheinlich die Hälfte aller Bewohner angetroffen haben und hier zwei wirklich leckere Burger genießen konnten, fuhren wir zum Mono Lake. Dieser See hat die Besonderheit, dass an seinen Ufern und bis ins tiefere Wasser hinein große, seltsame Gebilde aus Stein zu finden sind, die aussehen wie aus einem Fantasyfilm. Die ganze Gegend hat etwas Surreales und die Formen sehen vor allem im Zwielicht sehr bizzar und fremd aus. Rund um den See befindet sich geschütztes Gebiet und es sind allerlei seltene Wasservögel hier heimisch. Größere Tiere haben wir bisher nicht gesehen, von den Bären, die hier überall Thema sind, keine Spur.
Tim geht es seit gestern endlich wieder gut, das Fieber ist weg und bisher scheint es auch so zu bleiben. Der Weg ins Tal, über einen Pass, der über 2600 m hoch liegt, bot wieder abwechslungsreiche Landschaften und einen abrupten Wechsel vom Schnee und Minusgraden zu Wüste und über 16 Grad plus, und das innerhalb weniger Kilometer. Unsere derzeitige Unterkunft liegt in Olancha, ca. 3 h weg von Bridgeport und es geht tatsächlich noch abgeschiedener und einsamer! Der „Ort“ ist als solcher gar nicht erkennbar, es gibt eine Tankstelle und drei Motels und ein paar Trailer, alle verteilt auf ein paar hundert Meter am Highway entlang. Unser eigentliches „Motel“ haben wir kurzentschlossen boykottiert, nachdem wir dort erstens für 3 h niemanden angetroffen haben, uns dann zweitens zwei komische Hunde nicht so recht willkommen heißen bzw. ins „Office“ lassen wollten, sich drittens in diesem Office offenbar niemand dafür interessierte, dass wir draußen standen und hupten und riefen (aber durch die Vorhänge lunsen konnten sie), viertens die ganze Bretterbude mehr als eklig und runtergelumpert aussah und fünftens ein Schild da hing, dass Eindringlinge ohne Weiteres erschossen werden (!) und ein weiteres Schild vor Schlangen und Insekten auf dem Areal warnte! Klar gibt’s hier Klapperschlangen und ein Haufen anderes Getier, aber im Motel möchte man die Biester auch nicht haben. Brrrr…
Im jetzigen Motel verbringen wir auch nur eine Nacht, damit wir morgen den Weg ins Death Valley nach Las Vegas antreten können. Wir hoffen, das Wetter spielt weiterhin mit, die letzten Tage hatten wir strahlenden Sonnenschein, aber Schnee. Hier sind es nun ca. 20°. Leider soll es nun genau dann regnen, wenn wir da sind (vorher Sonne, nachher Sonne), immer genau die zwei Tage, an denen wir an unseren diversen Zielen verweilen wollen. Hoffen wir, dass sich der Bericht geirrt hat! Heute wollten wir (während der Wartezeit wegen des geschlossenen Motels) eigentlich noch einen kleinen Abstecher zu den Sequoia-Giant-Trees machen, aber es stellte sich heraus, dass der Sequoia National Forest sich sehr gut zu verstecken weiß – wir konnten zumindest nichts entdecken, das den Namen „Wald“ verdient hätte. Naja, vielleicht ein anderes Mal… Auch der Mount Whitney war leider für uns nicht sichtbar, obwohl er mit 4421 m der zweithöchste Berg der USA ist und hier „gleich um die Ecke ist“. Dafür konnten wir ein paar schöne Bilder u.a. vom Lake Isabella machen und mehrfach ca. 100 m über unsere Köpfe hinweg donnernde Kampfflugzeuge bzw. Düsenjets beobachten, die durch die Täler flogen und dabei aussahen, als würden sie jeden Moment direkt in die Berge krachen.
Für diese Nacht hoffen wir nun, dass sich weder Insekten noch Klapperschlangen in unsere Bude verirren ;) und sind gespannt auf die nächsten Tage.

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