Dienstag, 14. Februar 2017

Redwood National Park – Trees of Mystery/ Lake Tahoe


Johannes versuchte in den wenigen Lücken des Dauerregens wenigstens ein paar Fotos und Timelaps-Aufnahmen zu machen. Fast ohne Erfolg. Immer wenn gerade alles aufgebaut war, fing es wieder an zu regnen. Es war ein Geduldsspiel. Erst gegen späten Nachmittag hörte der Regen ja dann tatsächlich auch auf und wir konnten zusammen mal vor die Tür und uns am Meer und dem Pier die frische Brise um die Nase wehen lassen. Das Meer war sehr aufgewühlt und wirkte trotz des Sonnenlichts nicht einladend. Allerdings lagen die Temperaturen auch immer noch unter 10 Grad.
Nachdem wir uns gezwungenermaßen so gut hatten ausruhen können, konnte es am Samstag wie immer lange vor Sonnenaufgang zum Frühstück gehen. Der Himmel war nun wolkenlos und bei der Abfahrt in Richtung Redwood National Park mussten wir die Scheiben vom Eis befreien.
Das erste Ziel des Tages lag in Richtung San Francisco der 101 entlang – „Trees of Mystery“. Hier wollten wir eine privat betriebene Seilbahn in und über den Redwoods besuchen. Zum Skytrail gelangte man nur über kleine Wege durch dichten Wald mit sehr viel Farn, herunter hängendem Moos an den Bäumen und sehr hohen Redwoods. Die über 90m hohen Mammutbäume sind einfach unbeschreiblich und in ihrem gesamten Ausmaß fast unfotografierbar. Eigentlich wollten wir zum Hyperion. Dem höchsten Baum der Erde mit 115m Höhe. Leider ist der Standort nicht offiziell und für Besucher unzugänglich. Zum Glück und zum Wohle des Baumes. Die Mammutbäume sind nämlich totale Sensibelchen was ihr Wurzelwerk angeht. Die extremen Flachwurzler vertragen keine komprimierte Erde bzw. Zuschauer… Der Blick von der Aussichtsplattform am Ende der Seilbahn und die Wanderung zurück ins Tal waren jedoch auch so beeindruckend genug. Allerdings war der Hinweis, dass der Weg nach unten nur für sehr fortgeschrittene „Hiker“ geeignet sei wieder einmal sehr zutreffend – der Weg nach unten war extrem steil, glitschig, voller Tücken und wäre für mich mit meinem kaputten Sprunggelenk ohne einen der angebotenen Wanderstöcke nicht machbar gewesen. Mit Stock und allergrößter Vorsicht konnte ich jedoch den Weg im Schneckentempo meistern. Im Shop haben wir uns dann noch Samen von Mammutbäumen gekauft und hoffen, dann in Deutschland auch bald Eintritt nehmen zu können :D.
Danach ging unsere Fahrt wieder Richtung Norden. Auf der 199 verließen wir Kalifornien und fuhren durch Oregon auf dem Weg zu unserem nächsten Übernachtungsort Yreka. So folgten wir den Anweisungen der freundlichen Stimme aus dem Navigationssystem. Tja…die kürzeste Route ist nicht immer die Beste und man sollte auf jeden Fall diesen Schildern am Straßenrand Glauben schenken. Dort stand nämlich geschrieben, dass man für den Pass, den wir fahren sollten, unbedingt Schneeketten benötigt und dass die Straße nach 12 Meilen wegen Schnee gesperrt sei. Sie sei frei bis zum Skigebiet (!). Schnee haben wir nirgends gesehen und daher fuhren wir weiter. Der erste Teil der Straße war komplett frei und es ging stetig bergauf. Wir waren überzeugt, weiterhin so gut voran zu kommen. Die stetig sinkenden Temperaturen ignorierend… Doch innerhalb weniger Kurven ging es los: erst nur etwas Schnee am Rand, dann plötzlich viel Schnee am Rand und dann…alles ins schönste Weiß eingehüllt. Leider auch die Straße. Also den ganzen Weg zurück und eine alternative Route nehmen. Diese stellte sich letztens Ende sogar als die ursprünglich schnellere heraus und so kamen wir dennoch recht pünktlich in Yreka an. Auch hier war es extrem kalt, zum Glück blieben wir hier nur für eine Übernachtung, bevor wir die längste Strecke bis South Lake Tahoe angehen würden.
Tim hat leider wieder hohes Fieber bekommen und die ganze Autofahrt geschlafen. In unserem nächsten Ort würden wir doch mal einen Arzt aufsuchen, nur zur Sicherheit. Der kleine Eckzahn  ("Monkey-Tooth"), der sich nun bei Timmi zeigt, schien uns nicht Grund genug für dieses hohe Fieber.
Unser Weg führte über den Hwy 5 in Richtung Süden. Zum Glück sind wir dann auf die 89 und weiter auf die 44 Richtung Süd-Osten gefahren. Die 5 weiter südlich Richtung Sacramento kommt genau an dem aktuellen Evakuationsgebiet (wegen eines möglichen Staudammbruchs des Lake Oroville) vorbei. Wieder mal Glück gehabt. Insgesamt war die Strecke von Crescen City bis Lake Tahoe zwar bisher die zweitlängste aber auch die schönste. Wir sind immer wieder überrascht, wieviel unterschiedliche Landschaften das Land hier zu bieten hat. Die Bilder geben sicher einen kleinen abwechslungsreichen Eindruck.
Jetzt sind wir am Lake Tahoe angekommen. Durch Nevada und vorbei an Rino und Carson City führten uns die letzten Kilometer des 500 km langen Tagesabschnittes über einen weiteren Pass. Das Dumme war nur, dass 15 km vor dem Ziel in South Lake Tahoe die Straße gesperrt war. Also mussten wir wieder mal umkehren und den nächsten Pass und nochmal 60 km Umweg nehmen. Es ist wie verhext.
In Lake Tahoe angekommen stellten wir fest, dass es sich um einen hoch frequentierten Skiort handelt, der im Moment wahre Massen an Schnee zu bieten hat und zahlreiche Wintersportler anlockt. Landschaftlich ist es wunderschön hier. Der See liegt auf einer Höhe von fast 1900 m und ist mit 501 m Tiefe der zweittiefste See. An Sport im normalen Sinne ist bei uns aber gerade nicht zu denken. Tim hatte nochmals höheres Fieber bekommen und bei sportlichen 40,3 Grad sind wir dann lieber doch in die Klinik gefahren. Auch mir ging es immernoch nicht wirklich besser. Nach einem Marathonaufenthalt von fast 4 Stunden und einer sehr sportlichen Krankenhausrechnung für Tim und mich über 2649 USD konnten wir wieder ins Motel zurück fahren. Die Sonntagabendgestaltung (12.02.) und die nächsten 1,5 Tage waren eigentlich anders geplant und endeten mit bis zu 40,9 Grad Fieber und regelmäßigen Wadenwickeln. Nun geht es langsam bergauf und für uns heute wieder bergab ins Tal und zum nächsten Stopp, zum Glück sind es nur 1,5 h Fahrt und Tim kann schlafen und sich ausruhen. Sobald es ihm besser geht, hopst er immer gleich wieder auf dem Bett herum und ruht sich natürlich kein bisschen aus. Da ist die Zwangsruhe im Auto ganz gut.

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